Über 100 Jahre Tradition in Brandenburg

Der Brandenburger SC Süd 05

Schon im Jahre 1901 wurde auf der Musterwiese mit dem Fußball gespielt. Allerdings wusste man noch nichts von den Fußballregeln und von der Technik des Spiels. 25 – 30 Jugendliche liefen und stießen nach dem Ball. Der Gedanke einen Verein zu gründen war entfacht. Bald fanden sich noch einige Interessenten und im Frühjahr 1902 wurde durch Inserat zur Gründung eines Fußballvereines geladen. Im „Altstädtischen Schützenhause“ fanden sich 15 Sportbegeisterte zusammen und gründeten den Fußballclub Germania. Durch Unstimmigkeiten im Verein kam es zur Abspaltung einiger Fußballer, die den Verein Tasmania gründeten. Dieser Zustand währte aber nur kurze Zeit. Auf einer gemeinsamen Tagung im „Weißen Schwan“ am 13. Oktober 1905 vereinigten sich beide Vereine, legten ihre Namen ab und gründeten den Brandenburger BC 05, der die Farben der Chur- und Hauptstadt Blau-Weiß-Grün als Vereinsbanner wählte. Das erste Spiel unter dem Vereinsnamen fand am 22. November 1905 gegen Preußen Burg (bei Magdeburg) statt und endete 0:2. Der erste "Titelgewinn" 1912 war die Meisterschaft des Bezirkes. Damit verbunden war der Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse der Provinz Brandenburg. Nach Ausbruch des 1. Weltkrieg musste der Spielbetrieb im März 1916 eingestellt werden. Aber bereits im Juni 1918 wurde zum Wiederbeginn aufgerufen. Es gelang der Vereinsführung die Schützenwiese zu pachten. Durch wenige alte (viele waren gefallen oder verwundet) und junge Kräfte gestärkt, eröffnete bald wieder der Brandenburger Ballspiel-Club den Spielbetrieb.

Der BBC 05 wurde der 1. Klasse des Bezirkes Brandenburg-Rathenow zugeordnet und konnte bald in alter Stärke aufspielen. In der Saison 1922/1923 gelingt dann der nächste "Titelgewinn". Der BBC wird Meister der 1.Klasse im Bezirk Brandenburg/Rathenow und steigt zur Westkreisliga "zweithöchste Spielklasse" in Berlin-Brandenburg auf. Erfolgreich waren die zwanziger Jahre auch in der Jugendarbeit. Meisterschaft auf Meisterschaft wurde errungen. Die 1.Schülermannschaft wurde zwischen 1920 und 1930 neunmal Meister, die 1.Jugend und die 1.Junioren je dreimal. Die 1.Schüler wurden darüber hinaus im Jahre 1927 Sieger am DFB-Jugendtag. Diese Klasse konnte bis zur Saison 1931/32 gehalten werden.

Im Jahr 1932/33 nun in der dritthöchsten Spielklasse (Gauklasse A) spielend, gelang es sofort wieder, den aufstiegsberechtigenden 1.Platz zu belegen. Durch die veränderte politische Situation in Deutschland und der damit verbundenen Umstrukturierung des Fußballs in Deutschen Reich (Einführung der 16 Gauligen) wurde der sportlichen Qualifikation bei vielen Vereinen auch noch eine politische hinzugefügt, welche der BBC 05 nicht bestand. Immerhin wurde er aber nicht verboten. Durch die Zwangsangliederung verschiedener Brandenburger Vereine (wie z.B. dem FVB, sowie anderer Sportgruppen wie Ringer usw.) wurde im Oktober 1933 der BSC 05 gegründet. Unzweifelhaft profitierte der ehemalige BBC 05 durch den Zugang einiger starker Spieler von dieser politischen Entscheidung. In der Saison 1933/34 belegte der BSC 05 der I. Kreisklase Prignitz-Rathenow wiederum überlegen den 1.Platz und stieg nun wieder in die Bezirksklasse (zweithöchste Spielklasse) auf. Schon im Jahr 1935 spielte der BSC 05 in der Aufstiegsrunde mit 6 anderen Mannschaften, um den Aufstieg in die Gauliga Berlin-Brandenburg. Diese Entwicklung kam für den BSC 05 noch etwas zu früh. Aber 2 Jahre später gelang das große Ziel. Zusammen mit Friesen Cottbus schafften zwei Provinzvereine den Sprung in die Berliner Phalanx. Bereits im zweiten Gauligaspiel konnte gezeigt werden wie stark die „Provinzmannschaft“ ist. Tennis Borussia Berlin wurde vor über 5.000 Zuschauern mit 3:1 geschlagen.

Bis 1941/1942 konnte die Klasse gehalten werden. In den Aufstellungen der Gauligaspiele standen solche Namen wie W.Kausmann I, P.Wiese, H.Rinkenbach I, W.Schuder, Sontowski, Bertz, P.Woischke, Münscher, Hage, aber auch Gastspieler wie Hans Neuweiler (1. FC Pforzheim), Raasch (Hertha BSC, Wacker 04 Berlin), der ehemalige 7-fache Nationalspieler Tiefel (BSV 92, Eintracht Frankfurt), Leo Rutecki (SpvG Herten, SC Münster 08; ehemaliger Torschützenkönig der Gauliga-Westfalen mit Schalke 04 und deren Größen) oder Braunert (Fortuna Leipzig, Einheit Leipzig/Ost). Oft wurden den großen Vereinen wie Union Oberschöneweide oder Hertha BSC Paroli geboten und vor bis zu 10.000 Zuschauern der ein oder andere unerwartete Erfolg errungen. Zweimal stand man noch in den Aufstiegsspielen zur Gauliga, schaffte aber diesen Aufstieg nicht mehr. Der Blutzoll des 2.Weltkrieges war nicht mehr auszugleichen. Im September 1944 wurde der Spielbetrieb eingestellt.
Vom Wiederbeginn nach dem 2. Weltkrieg bis Heute

Nach dem 8. Mai 1945 versuchten die Menschen auch in der Stadt Brandenburg wieder zum Alltag zurückzukehren. So kam es zu Freundschaftsspielen zwischen den Stadtteilen und zu Städtespielen. Auch hier waren die berühmten Namen aus der Vorkriegszeit in den einzelnen Aufstellungen wiederzufinden. Leider fand man aber nicht mehr alle Namen in den Aufstellungen, denn zu viele gute Fußballer starben auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkrieges. Neben den vielen weniger bekannten Spielern fielen zum Beispiel Paul Woischke, Otto Hage, Günter Kausmann II und Willy Tiefel.

1946/47 fand dann die erste Spielserie "Rund um Berlin" statt. Auf Grund der besonderen Situation Berlins, wurde die Provinz Brandenburg nicht im Berliner Spielbetrieb aufgenommen, und die sowjetische Miltäradministration zeigte kein besonderes Interesse dies zu ändern, und somit organisierten engagierte Funktionäre in Potsdam diese Spielserie, damit der Fußball in der Provinz nicht ganz zum Erliegen kam. Die beiden Brandenburger Nachkriegsmannschaften hießen zu dieser Zeit Polizei Brandenburg (Nord) und Stadt Brandenburg (West). Im Jahre 1949 zeigte sich, dass der Brandenburger Fußball nicht mehr die Vorkriegsstärke erreichte. Bei der Bildung der DDR-Oberliga wurden aus dem Land Brandenburg die SG Babelsberg (Volkstimme) und Grube Marga (Franz Mehring)berücksichtigt. Die guten Spieler zog es an den Berliner Stadtrand oder in die kohleträchtige Lausitz. Das zerstörte Industriezentrum Brandenburg konnte zu dieser Zeit dagegen wenig bieten. 1949 erkannte man dieses Problem und delegierte die besten Spieler aus der BSG Ernst Thälmann, BSG Konsum (Nord) und BSG Traktorenwerke (West) zur neugebildeten ZSG Werner Seelenbinder Brandenburg. Schon im Juni 1950 wurde die ZSG in die BSG Traktorenwerke überführt, die wiederum am 20. Februar 1951 zur BSG Motor Süd Brandenburg wurde und 1952 in die DDR-Liga aufstieg.

Trotzdem erreichte man nicht mehr die Spielstärke, der ehemals gleichstarken oder teilweise schwächeren Mannschaften wie Rotation Babelsberg (Nowawes) oder Aktivist Brieske/Ost (Grube Marga). Bis 1955 spielte man in der DDR-Liga und ab 1956-1962 spielte man in der II.DDR-Liga (dritthöchste Spielklasse). Im Jahre 1958 stand die Mannschaft kurz vor dem Sprung in die I.Liga (darüber war nur noch die Oberliga), allerdings wurde das entscheidende Spiel gegen Dynamo Dresden 2:4 n.V. verloren. Der von der DDR-Regierung erwünschte Aufstieg der Dynamo-Mannschaft war vorhersehbar. Immerhin handelte es sich mit der Dynamo-Mannschaft um eine staatstragende "Institution". Schon das 1:0 für Dresden durch Kreische sen. entstand durch ein Foul. Beim Hochspringen vor dem Brandenburger Tor drückte er den Brandenburger Torwart Moritz mit dem rechten Arm auf die Schulter, so dass dieser den Ball nicht abfangen konnte und Kreische sen. zum 1:0 einköpfte (eine Fotofolge zeigt dies eindeutig). Trotzdem gelang in der zweiten Halbzeit den Brandenburgern die 2:1-Führung. Nun kam es wie es kommen musste. In der 70. Minute sah Schiedsrichter Köhler ein angebliches Handspiel. Als er nur 10 Schritte zum Elfmeter abzählte, wies ihn der Brandenburger Spieler Bertz darauf hin und erhielt dafür einen Platzverweis. Oeser (Dresden) legte sich den Ball zurecht und schoss gegen die Latte. Glücklicherweise sah Schiedsrichter Köhler, dass sich der Brandenburger Torwart zu früh bewegt hatte und ließ den Strafstoß wiederholen. Endlich schlug es zum 2:2 ein. Der Rest war dann nur noch Formsache. Anschließend machte es sich der Schiedsrichter im Mannschaftsbus der Dresdner gemütlich und ließ sich von den feiernden Dresdnern nach Hause (Leipzig) chauffieren. Dies ist eine kleine Episode aus dem Füllhorn der politischen Einflußnahmen der DDR-Oberen in den Sport. In der Saison 1961/62 gelang schließlich der Aufstieg, allerdings konnte die Spielklasse nicht gehalten werden, die Mannschaft hatte einfach nicht mehr das spielerische Potential wie Ende der 50er-Jahre unter Trainer Krebs. Große Erfolge gab es in diesen Jahren aber auch in der Nachwuchsarbeit. Die 1. Schülermannschaft wurde 1965 DDR-Meister, die Jugend 1955 Vize DDR-Meister. Unzählige Erfolge kamen in der Nachwuchsabteilung dazu, die unter Führung sehr guter Trainer erzielt wurden. Viele gute Spieler konnten dies später, auch bei höherklassig spielenden Vereinen, beweisen. Stellvertretend seien hier nur Lutz Eigendorf und Steffen Freund genannt. Die erste Männermannschaft spielte in den Folgejahren (nach 1963)in der Bezirksliga Potsdam. Dreimal gelang noch der Aufstieg in die DDR-Liga. Doch das Potential reichte nicht aus um diese Klasse zu halten. Mit dem Zusammenbruch der DDR und der Neueinteilung der Klassen kam der BSC Süd 05 in die Verbandsliga und konnte 1999 den Sprung in die Oberliga schaffen. Nach fünf Jahren in dieser Spielklasse stieg der Verein wieder ab qualifizierte sich aber 2008 erneut für die Oberliga und konnte die Klasse auch für die Saison 2013/2014 halten.


Quelle: Wikipedia